Die chemischen Elemente
Chemische Elemente sind Reinstoffe, welche nicht mehr in andere Stoffe weiter zerlegt werden können. Von der Antike bis weit ins Mittelalter hinein war man der Meinung, dass die Welt aus vier Elementen besteht: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Von den Elementen im heutigen Sinne waren in Reinform Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Zink, Eisen, Quecksilber, Blei, Schwefel und Kohlenstoff bekannt.
Chemische Verbindungen entstehen, wenn chemische Elemente untereinander eine Bindung
eingehen, z.B. Rost (Fe2O3). Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff gehören zu den häufigsten Elementen, es sind die Elemente, aus denen Organismen bestehen (Menschen, Tiere und Pflanzen).
Die Erde setzt sich massenanteilig zusammen aus Eisen (32,1 %), Sauerstoff (30,1 %), Silizium (15,1 %), Magnesium (13,9 %), Schwefel (2,9 %), Nickel (1,8 %), Calcium (1,5 %) und Aluminium (1,4 %). Die restlichen 1,2 % teilen sich Spuren von anderen Elementen.
Dinge herunterzubrechen auf ihre ursprünglichen Einzeteile oder Prozesse zurückzuspulen bis zum Beginn ist ein häufige und wiederkehrende Methodik in meinen Arbeiten. Ich mache das, um Abläufe zu verstehen und herauszufinden, wie die Welt um mich herum funktioniert. Dabei bilde ich nach (z.B. Einen Ast, den ich künstlich aus Furnierholz wieder aufbaue) spule Vorgänge rückwärts wieder ab (z.B. In der Arbeit, wo ich Weinflaschen zu Pulver verarbeite um es anschließend auf Holz zu brennen), ich zerlege Äste in ihre Einzelteile und setzte sie wieder neu zusammen. Es ist mir ein Bedürfnis von Vorne zu Beginnen.
Auch Alterungs- und Verwitterungsprozesse spielen in meinen Arbeiten eine Rolle, häufig in Form von Patina oder Oberflächenbearbeitung. Ich bewege mich farblich ausschließlich in dem Spektrum, welches das Material vorgibt. Holz wird durch Brennen geschwärzt, Zinn und Silber oxidiert, Eisen korridiert. Das Material gibt mir vor was es leisten kann, gegenseitig fordern wir uns heraus.

Materie und Material
Die klassische Physik definiert Materie so: Materie ist alles was Platz braucht und Masse hat. Es ist das, aus woraus etwas besteht, ohne jede Eigenschaft.
Zwischen Materie und Material steht der Mensch, der eine ursprünglich formlose Masse aus
Reinstoffen zu einem kulturell geprägten Objekt formt. So wird Materie durch das einbetten in einen kulturellen Kontext zu Material.
Material hingegen ist der Stoff, aus dem etwas gefertigt ist. Aus physikalischer und chemischer Sicht ändert sich nichts, durch die zuweisung einer Bedeutung, eins Nutzens oder einer Aufgabe wird Materie zu Material.
Oft ist Materie der Beginn meiner Arbeiten, ein Interesse für ein spezifisches Element, welches ich genauer erkunden möchte. Ich finde heraus was es kann, welche Eigenschaften es mitbringt.
Danach richte ich mich und das bestimmt letztendlich auch, was es wird. Unter meinen Händen wird es zu Material. Ich fordere es heraus, biege bis es bricht, erhitze bis es verbrennt, verforme und verfärbe.
Mit meinen Arbeiten möchte ich mit der Materialwahl eine Verbindung zum Ursprung herstellen und somit helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Letztendlich sind wir alle eine Mischung aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff. Eine chemische Verbindung.

Sn
Zinn ist ein weiches, dehnbares, silberweiß glänzendes Metall. Meistens wird es verwendet, um es mit anderen Metallen zu legieren (z.B. Bronze oder Messing), selten wird es als Reinelement verwendet. Zinn ist ein Metall mit starken Charakter, mischt man nur eine kleine Menge zu Kupfer,Eisen, Silber oder Gold verändert sich schon die Farbe und die Eigenschaften, verringert Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit. Das macht es oft auch zum Feind eines traditionellen Goldschmieds, für Zinn wird geraten sich extra Feilen zu besorgen und nach der Bearbeitung den Arbeitsplatz gründlich zu reinigen.
Für die Arbeit Sn / SnO verwende ich Zinn in seiner Reinform. Ich walze es dünn aus und forme es zu zwei Halbkugeln, welche ich anschließend zu einer Kugel verlöte. Die Lotnaht ist deutlich sichtbar, bei der oxidierten Kette als starker Kontrast. Zinn ist sehr weich, beim Tragen der Kette drücken sich die Kugeln ein. Immer mehr kommt der rote Faden zum Vorschein. Das Tragen hinterlässt Spuren, die Kette verformt sich in einem unaufhaltbaren und unwiderbringlichen Prozess. Es ist konfrontierend für den Träger bzw. die Trägerin, dass das eigene Schmuckstück nicht so bleibt wie man es erworben hat sondern sich weiterentwickelt. Man befindet sich in einer Art Dilemma, will man die Kette tragen fördert man auch den Prozess der Verformung. Wenn man die Verformung akzeptiert und sich von dem Wunsch befreit, dass die Dinge immer so bleiben sollen wie sie sind, übt man, Veränderung zu akzeptieren und nicht negativ zu bewerten. Es ist schwer, Veränderung zu zulassen und sich von seiner Vorstellung zu verabschieden, wie die Dinge sein sollen.

Fe
Eisen ist ein sehr hartes Metall und ein stabiler Werkstoff, der seine Glanzzeit in der Industriellen Revolution erfahren hat. Ein Produkt aus Eisen ist der Nagel, vor dem Beginn der industriellen Zeitalters wurde er handgeschmiedet, jedes Stück ein Unikat. Heute ist der Nagel ein industrielles Produkt, einer gleicht dem anderen.
Die Nägel, die ich für die Kette Fe2O3 verwendet habe, sind auch industriell gefertigt. Allerdings haben sie eine Metamorphose der Veränderung durchlaufen und sind somit zum Unikat geworden. Die Nägel stammen aus einem großen Feuer, herausgebrannt aus Holzplatten wo sie irgendwann einmal eingeschlagen wurden. Sie sind verbogen, verrostet, ausgeglüht und weich, haben Form und Eigenschaften ihres Ursprunglichen Daseins verloren, eigentlich alles was einen Nagel ausmacht.
Die Materie Eisen wurde zum Material Nagel, welcher seine kulturelle Bedeutung in der typischen Verwendung eines Nagels entsprach. Er wurde dazu verwendet um Holz miteinander zu verbinden.
Auch das Holz (welches im späteren Schmuckstück nicht anwesend ist, dennoch aber eine wichtige Rolle spielt) hat eine Verwandlung von der Materie Baum zum Material Holz durchlaufen, zusammen mit dem Nagel wurde es vielleicht zu einer Palette oder einer Sitzbank gezimmert und nach Ablauf seiner Brauchbarkeit (vielleicht war es Verwittert, oder es wurde nicht mehr benutzt, oder es war vom Holzwurm durchfressen, oder gebrochen) als Feuerholz verwendet. Das Material Holz wurde zur Materie Kohle. Das Material Nagel zur Materie eines verbogenen, verrosteten, weich geglühten Stück Eisen. Diese Materie habe ich in Norwegen aus einem Lagerfeuer gesammelt und zu einer Kette gebogen, ihr wiederum als Material einen neuen Zweck zugewiesen.
Rost ist eine Verbindung von Elementen, es besteht aus Eisen und Sauerstoff. Fe2O3 ist die
chemische Formel für Rost. Rostbildung ist ein Indiz für die Zerstörung von Eisen, es hat aber durchaus ästhetische und bedeutungsgenerierende Qualitäten. Er ist Indikator für einen natürlichen Verwitterungsprozess und verleiht archaischen Charakter.

C
Holz ist neben Stein und Metall einer der Grundstoffe von menschlicher Kulturtätigkeit. In meinen Arbeiten steht es für das Element Kohlenstoff, da Holz hauptsächlich aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zusammen gesetzt ist. Das sind auch die Bestandteile aus denen der Mensch besteht.
Holz benutze ich öfter in meinen Arbeiten als eine Metapher für den Menschen, das
vermenschlichte Material. Es ist ein warmer, weicher Werkstoff der als Material uns alle umgibt.
Das Material Holz stammt von der Materie Baum.
In meiner Brosche C2 verwende ich Kohlenstoff in doppelter Form, Holz und Graphit.
Die Brosche ist aus Birkenholz, welches ich während einem Aufenthalt in Lithauen im Wald
gesammelt habe. Ich habe es geschnitzt und ausgehöhlt, bis die Wandstärke sehr dünn war. Um das Material herauszufordern habe ich es zyklisch immer wieder gedämpft, gefroren und getrocknet, bis das Material Risse bekommt. Anschließend habe ich es mit einer Schicht aus Graphit überzogen.
Das Graphit ist für mich ein verweis auf den Menschen, der wie alle Organismen hauptsächlich auch Kohlenstoff besteht, gleichzeitig erinnert es auch an eine Portraitzeichnung mit Bleistift, dreidimensional, schemenhaft, maskenartig. Die Brosche zeigt keine Konturen, keine Nase, Mund, Augen, nur den Umriss.

H und O
Wasserstoff und Sauerstoff
Wasser ist eine Verbindung der Elemente Wasserstoff und Sauerstoff. Es ist der einzige Stoff auf der Erde der in verschiedenen Aggregatszuständen vorkommt. Man findet es flüssig und fest in der Natur, gasförmig in der Atmosphere. Es ist der Hauptbestandteil von Pflanzen und Tieren (wozu ich auch den Menschen zähle). Es ist ein schweres Element welches leicht seinen Aggregatszustand ändern kann (unbeständig). Bei Hitze verdampft es, bei kälte friert es. Es nimmt leicht Geruch,
Geschmack und Farbe an, verbindet sich mit anderen Elementen und ist der Ursprung allen Lebens auf der Erde. Auch der menschliche Körper besteht zu 70 % aus Wasser, es ist lebensnotwendig und wird gebraucht für seine kulturelle Entwicklung.
In meinen Arbeiten findet man Wasser in Form von Oxidation und Rost. Ich arbeite mit Wasser um andere Elemente zu beeinflusse, sei es das Eisen um Rost zu kreieren, oder das auskochen von Holz.