Sn
Zinn ist ein weiches, dehnbares, silberweiß glänzendes Metall. Meistens wird es verwendet, um es mit anderen Metallen zu legieren (z.B. Bronze oder Messing), selten wird es als Reinelement verwendet. Zinn ist ein Metall mit starken Charakter, mischt man nur eine kleine Menge zu Kupfer,Eisen, Silber oder Gold verändert sich schon die Farbe und die Eigenschaften, verringert Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit. Das macht es oft auch zum Feind eines traditionellen Goldschmieds, für Zinn wird geraten sich extra Feilen zu besorgen und nach der Bearbeitung den Arbeitsplatz gründlich zu reinigen.
Für die Arbeit Sn / SnO verwende ich Zinn in seiner Reinform. Ich walze es dünn aus und forme es zu zwei Halbkugeln, welche ich anschließend zu einer Kugel verlöte. Die Lotnaht ist deutlich sichtbar, bei der oxidierten Kette als starker Kontrast. Zinn ist sehr weich, beim Tragen der Kette drücken sich die Kugeln ein. Immer mehr kommt der rote Faden zum Vorschein. Das Tragen hinterlässt Spuren, die Kette verformt sich in einem unaufhaltbaren und unwiderbringlichen Prozess. Es ist konfrontierend für den Träger bzw. die Trägerin, dass das eigene Schmuckstück nicht so bleibt wie man es erworben hat sondern sich weiterentwickelt. Man befindet sich in einer Art Dilemma, will man die Kette tragen fördert man auch den Prozess der Verformung. Wenn man die Verformung akzeptiert und sich von dem Wunsch befreit, dass die Dinge immer so bleiben sollen wie sie sind, übt man, Veränderung zu akzeptieren und nicht negativ zu bewerten. Es ist schwer, Veränderung zu zulassen und sich von seiner Vorstellung zu verabschieden, wie die Dinge sein sollen.